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Die letzte U-Untersuchung! Gott sei Lob und Dank!

Vor ein paar Tagen waren wir mit Finn bei der U9, die letzte vorgeschriebene Untersuchung unseres Kindes.
Wir waren bisher sehr zufrieden mit unseren U-Untersuchungen. Nach einem eher holprigen Kinderarzt-Start, mit Aussicht auf eine völlig unbegründete Schädel-OP und viel Panikmache, wechselten wir zu einem Kinder-Ostheopathen.

Ich möchte kurz erklären was die tun. Die Osteopathie geht davon aus, dass der Körper selbst in der Lage ist sich zu heilen. Was an sich schon mal ne tolle Denke ist, wie ich finde. Die Voraussetzung ist, dass alle Strukturen gut beweglich und damit auch gut versorgt sind. Zum Einen geht es um die Bewegung des Körpers in der Gesamtheit, zum Anderen um die Eigenbewegung der Gewebe, der einzelnen Körperteile und Organsysteme und dessen Zusammenspiel.
Der Osteopath spürt also mit seinen Händen Bewegungseinschränkungen auf und löst diese Blockaden. Dabei wird der Patient als Einheit von Körper, Geist und Seele betrachtet, das von seinem individuellen Umfeld geprägt ist und so kommen auch immer wieder fragen zu persönlichen Umständen.
Uns gefällt diese ganzheitliche Betrachtung und Finn ging es nach den Behandlungen immer so richtig gut. So gut, dass wir neben den U´s noch einige Male da waren und er danach geradezu vor Energie strotzte. Nun geht unser Doc in Rente und wir hatten keine Chance die letzte U bei ihm zu machen.

Na, ein Künstler wird ihr Sohn schon mal nicht!

Finn ist eher schüchtern – zumindest wenn er die Menschen noch nicht kennt – und braucht ein wenig um warm zu werden. Er beobachtet viel und schaut sich alles gerne erst mal an, bis er selbst aktiv wird. Nach so vielen U´s hatten die beiden einen guten Draht zueinander und Finn war dankbar für die Art und Weise wie achtsam er ihn untersuchte. Er zwang ihn zu nichts und wenn Finn auf unserem Schoß sitzen bleiben wollte, dann war das auch gut. Wie anders die Untersuchung war, wurde uns bei der U9 schmerzlich klar.

Die neue Ärztin war ganz der Schulmedizin verschrieben – was an sich nicht schlecht ist. Mit einem Praktikanten an der Seite wurden wir sehr sachlich begrüßt und gebeten Platz zu nehmen. Ich erkläre ihr, dass der Kleine noch nie bei ihr war und vermutlich eher mal Angst hat. Jaja. Finn solle im Warteraum bitte ein Männchen malen, einen Kreis, ein Rechteck und ein Dreieck. Wir schauten uns verwirrt an und Finn meinte: „Das kann ich vielleicht noch nicht so gut.“ Wir machten ihm Mut und erklärten ihm, dass er nichts falsch machen kann. Dann malte er drauf los.
Als sie sich das Kunstwerk anschaute sagte sie: „Na, ein Künstler wird ihr Sohn schon mal nicht!“ Ich machte große Augen und der Praktikant entgegnete: „Also ich glaube ja, dass man alles lernen kann.“ 1: 0 für den Praktikanten, er war mir sofort deutlich sympathischer.
„Nein, malen kann man nicht lernen, dazu braucht man eine Veranlagung und Talent und außerdem gibt es Ärzte die würden bei so einem Bild behaupten, dass er ADHS hat. Aber das sehe ich anders.“
Mir blieb die Spucke weg. Ich erinnerte mich an die unzähligen Situationen in meinem Leben, in denen Leute mir weiß machen wollten, dass ich zu irgend etwas nicht in der Lage sei und es mir dann fälschlicherweise auch noch zu meiner eigenen Wahrheit machte.

Ja nee, is klar! Der Kleine macht Dir hier jetzt den Tanzbär

Wir gingen in ihren Behandlungsraum. Auf dem Schreibtisch begrüßte uns ein Schild auf dem stand, dass man bei ihr auch Faltenbehandlung mit Botox und Hyaloron bekommt. Finn verkroch sich auf Papa´s Schoß und meine Gedanken kreisten um die Frage wo wir schnellstmöglich einen neuen Kinder-Osteopathen her bekommen könnten.
„Finn, hüpf mal auf einem Bein.“
„Ja nee, is klar. Der Kleine macht Dir hier jetzt den Tanzbär. Das tut er nämlich immer vor völlig fremden Menschen!“, denke ich und möchte eigentlich nur meine Familie packen und wieder heim fahren. Statt dessen versichere ich ihr, dass er neben Roller und Laufrad fahren natürlich auch auf einem Bein hüpfen kann, keine Sprachstörungen hat und ansonsten auch völlig normal entwickelt ist für einen 5-Jährigen. Finn verweigerte während dessen jegliche Kooperation.
„Wissen Sie, diese Untersuchungen sind dafür da, dass wir Krankheiten finden.“, sagte sie mit ernster Miene.
„Aha. Krankheiten finden. Wie wäre es denn wenn Sie mal schauen ob er einfach nur gesund ist!?“, möchte ich ihr entgegen schreien. Statt dessen beginnen wir ein Frage-Antwort-Spiel in dem ich ihr bestätige, dass er (bis auf Erkältungen) immer kern gesund war, keine auffälligen Merkmale aufweist und seine Hoden natürlich gleich groß entwickelt sind.

Aufgrund der Tatsache, dass jedem Patienten ja eh nur eine begrenzte Behandlungszeit zusteht und Finn sich nicht mit Gummibärchen bestechen lässt, gibt sie frustriert auf

Finn verweigert sich bis zum Schluß – was ich gut verstehen kann. Wäre ich in den richtigen Momenten schlagfähiger gewesen, hätte ich das mit einem passenden Spruch auch getan und wäre gegangen. Aufgrund der Tatsache, dass jedem Patienten ja eh nur eine begrenzte Behandlungszeit zusteht und Finn sich nicht mit Gummibärchen bestechen lässt, gibt sie frustriert auf – und unterschreibt den Wisch. Die letzte U! Gott sei Lob und Dank!

Was soll ich sagen? Ich könnte jetzt noch eine weitere Seite über unser verkorkstes Gesundheitssystem schimpfen. Über ein System das nur von Konformität ausgeht und alle über einen Kamm schert. Ein System in dem keine Zeit für Empathie und Einfühlungsvermögen bleibt und Ganzheitlichkeit nur wenig Platz hat. Aber ich lasse das einfach. Denn ich weiß, dass es da draußen noch andere Ärzte gibt. Mit holistischen Ansätzen und einem achtsamen Umgang. Die sich die Zeit nehmen und nach unserer Gesundheit schauen. Ähnlich wie früher die Ärzte in China. Die bekamen nämlich nur dann ihr Geld wenn der Patient auch gesund blieb. Ein schöner Ansatz, wie ich finde.

 

 

 

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