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Wer braucht schon eine Strandfigur?

Der nächste Urlaub steht vor der Tür. Eine Woche Gran Canaria wartet auf uns. Sonne, Strand und Meer so weit das Auge blicken kann.

Ich komme gerade von der Fußpflege und wußte gar nicht, dass mir meine Füße so viel Spaß machen können! Ist nicht so, dass ich das regelmäßig mache aber vor dem Sommerurlaub darf es dann schon mal sein. Im Herzen bin ich Barfuß. Außerdem habe ich eben noch einen spontanen Frisörtermin ergattert. Frisch gestylt fühlt man sich doch gleich viel besser zwischen all den schönen Menschen am Flughafen und am Strand – zumindest geht mir das so. Nur für ein paar neue Sommer-Klamotten hat es diesmal leider nicht gereicht aber was soll´s, wird schon gehen. Zum Thema Strand schießt mir gerade in den Kopf, dass ich ja eigentlich auch noch ins Fitnessstudio wollte. Und zwar gleich zweimal. Naja, das klappt jetzt leider nicht mehr aber so schnell ist da vermutlich auch nix mehr zu retten. Was ein Stress.

Du willst im Ernst kurze Hosen anziehen? WAAAS, einen Rock!?

Und wer ist schuld an diesem Stress? Dieser kleine Sack da oben in meinem Kopf, der aus irgend einem Grund seine blöde Klappe nicht halten kann und mich Tag für Tag piesackt:
„Ey, ist Dir eigentlich aufgefallen, dass der Bauch seit Deiner Schwangerschaft immer noch nicht ganz weg ist?“
„Du willst im Ernst kurze Hosen anziehen? WAAAS, einen Rock!? Bist Du verrückt geworden? Ja hast Du denn die Krampfadern an Deinen Beinen noch nicht gesehen?“
„Heute ist Bad-Hair-Day. Häng den Spiegel lieber ab. Kannste machen was Du willst. Zu retten ist da eh nix mehr bei den dünnen Dingern.“
„Nicole, vergiß nicht, dass irgend so ein Typ mal meinte Du hättest Oberarme wie ne Metzgersfrau! Ja, ich gebe Dir Recht, das ist seit dem Training schon etwas besser geworden aber T-Shirt ohne Ärmel geht gar nicht!“
Das nervt.
Er nervt.
Er nervt weil er mich glauben lassen will, dass, egal was ich tue, es einfach nicht reicht. Und egal wie ich aussehe, ich einfach nicht schön genug bin.

Ich akzeptierte ihn als einen Teil von mir dem ich Glauben schenkte. Der mich schützt. So dachte ich zumindest

Ich kann gar nicht sagen wann genau er in meinen Kopf eingezogen ist aber er wohnt dort schon sehr lange. Seine Daseinsberechtigung bekam er schon sehr früh. Mit jedem kritischen Blick, mit jeder Anmerkung, mit jedem Lachen das nicht mit sondern über mich lachte, mit jedem Spruch zu irgend einem Teil meines Körpers wurde er größer und stärker und irgendwann hatte ich mich an ihn gewöhnt. Ich akzeptierte ihn als einen Teil von mir dem ich Glauben schenkte. Der mich schützt. So dachte ich zumindest. Wenn ich mich an ihn halte, dann kann mir nichts passieren. Dann werde ich akzeptiert.

Was für ein Bullshit! Und jetzt stehe ich hier. Versuche ihn auszublenden. Ihn zu überhören und meinen Kopf statt dessen mit guten Gedanken zu füttern. Möchte einen neuen Kopf-Kumpel erschaffen, der nicht gegen sondern für mich ist. Der mich bestärkt und ermutigt anstatt mich täglich nieder zu machen. Das ist gar nicht so einfach. Da müßen Synapsen neu verknüpft und Hirnwindungen verbogen werden. Das braucht Zeit und Ausdauer. Und es muß mir egal sein was Andere über mich denken. Auch nicht immer so einfach aber die Bereitschaft zur Veränderung ist da.

Ich werde dem kleinen Sack da oben in meinem Kopf die Wohnung kündigen und ihn vor die Tür setzen. Dann werde ich mir das folgende Zitat von Nayyirah Waheed zu Herzen nehmen:

And I said to my body: Softly. „I want to be your friend.“ It took a long breath. And replied „I have been waiting my whole life for this.“ – Nayyirah Waheed

Und dann werde ich unseren Urlaub in vollen Zügen genießen. Auch ohne Strandfigur.

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