Mindset

Das Ding mit der Selbstannahme

Ich sitze am Schreibtisch und mache eine Liste. Mein Mann hatte diese grandiose Idee. Links stehen meine Schwächen, rechts meine Stärken. Ich beginne mit den Schwächen und mein Stift fliegt nur so über das Blatt. Bei Nummer zehn stoppe ich und zwinge mich mit den Stärken weiter zu machen. Ich muß lange nachdenken aber es fällt mir etwas ein. Okay, wer zehn Schwächen auf´s Blatt kriegt, der schafft auch zehn Stärken, motiviere ich mich.
Ich schaue auf den Rhein und notiere gedanklich eine weitere Schwäche. Und noch eine. Irgendwie läuft mein Vorhaben komplett aus dem Ruder. Eigentlich wollte ich mich der Selbstannahme widmen und nicht der Selbstsabotage.

Nachdem ich eine geschlagene Stunde am Wasser gesessen hatte, war mir immerhin schon mal klar worum es bei der Selbstannahme eigentlich geht. Das Wort an sich sagt es ja schon: Es geht darum sich selbst anzunehmen und zwar so wie man ist. Mit all seinen Macken und Liebenswürdigkeiten, mit allen Stärken und Schwächen.
Prima, Theorie bestanden, praktisch bin ich mal eben durchgefallen. Wie um alles in der Welt soll ich das anstellen?

Sich selbst anzunehmen obwohl, oder gerade weil, es andere nicht tun erscheint mir echt problematisch

Spontan schießen mir Situationen aus der Vergangenheit durch den Kopf: „Wie siehst Du denn schon wieder aus? Mach Dich nicht so krumm! Mußt Du andauernd Schwarz tragen? Du hast Oberarme wie eine Metzgersfrau. Durch die Hose sieht man Deine Zelulite. Du hast einen echten Atombusen. Von wem hast Du eigentlich die dicken Beine? Alber nicht so rum. Tu dies nicht, lass das.“ Pffff…….Sich selbst anzunehmen obwohl, oder gerade weil, es andere nicht tun erscheint mir echt problematisch wenn man all die Jahre suggeriert bekommt, dass man anders eigentlich viel besser wäre.

Es gibt ja so vieles womit sie recht haben, die Anderen. Außerdem macht es ja durchaus Sinn selbstkritisch und angepasst durch´s Leben zu gehen. Das bringt Sicherheit und Anerkennung – vor allem wenn einem das Selbstbewusstsein aufgrund fehlender Selbstannahme fehlt. Dann holt man sich die Bestätigung eben von außen und alles ist prima. Meint man.

Du bist gut so wie Du bist

Das Problem ist folgendes: Wenn ich mich selbst nicht so annehmen kann wie ich bin, wenn ich es also nicht schaffe mir glaubhaft zu versichern: DU BIST GUT SO WIE DU BIST, dann habe ich auch ein Problem mit dem Rest der Welt. Denn dann werde ich auch an dem Rest der Menschheit etwas auszusetzen haben und sie an mir. Dann schwimmt man auf dieser Welle der Be- und Verurteilung anstatt sich gegenseitig liebevoll anzunehmen. Und zwar als das was man ist.

Aber zurück zur Praxis. Ich glaube Selbstannahme funktioniert nur, wenn man sich erst einmal seiner selbst bewußt wird. Welche Stärken hast Du? Welche Schwächen? Schreib sie alle auf, so viele wie Du möchtest. Es macht durchaus Sinn sie in Balance zu bringen. Und dann lies sie Dir durch. Eine nach der Anderen. Und nimm es liebevoll an. Jedes.einzelne.Wort. Das war´s schon. Mehr gibt es gar nicht zu tun. Und dann lass es wirken.

Wenn ich mir meine Stärken und Schwächen anschaue muß ich sagen, daß die einzelnen Punkte zur Zeit mehr oder weniger ausgeprägt sind und gerade bei den Stärken gibt es Wesenszüge die ich wieder gerne mehr hätte. Klar, es ist immer Platz nach oben und es ist ja auch gut das zu erkennen. Aber für heute kann ich mir zumindest schon mal sagen: Du bist gut so wie Du bist. Und dafür bin ich dankbar.

P.S.: Embrace von Taryn Brumfitt ist übrigens ein ganz wunderbarer Film zu diesem Thema. Unbedingt anschauen!

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