Mindset

Denn er hat seinen Engeln befohlen

Ich bin nicht sehr gut in Gottvertrauen. Falls ich es jemals hatte, dann verlor ich es spätestens an dem Tag als meine Oma starb. Nein, ich hab´s ihm nie verziehen und fühlte mich verraten und ziemlich einsam. Wenn man so aufwächst, dann entwickelt man eine beachtliche Stärke und eine gute Portion Trotz es auch ganz alleine schaffen zu können. Aber die Einsamkeit bleibt trotzdem.

Ich hatte nie wirklich Zweifel, dass da etwas ist. Etwas was das Universum zusammen hält, was mich atmen lässt. Aber diese viel zitierte bedingungslose Liebe und das Gefühl aufgehoben zu sein – keine Ahnung wo das her kommen sollte.
Also trat ich aus der Kirche aus und beschäftigte mich vielen spirituellen Ansichten. Das war nicht nur sehr interessant, es brachte auch Glanz in die verstaubte Hütte meines christlichen Erfahrungsschatzes. Dort predigten Pfarrer nämlich noch mit erhobenem Zeigefinger und man nahm sich besser in Acht vor einem strafenden und ach so kritischen Gott. Kurz gesagt: Mein spiritueller Ausflug bestätigte was ich schon immer vermutet hatte: Wenn man mal die „Anbindung nach oben hat“ dann ist die Sache schon insgesamt sehr cool. Wäre halt gut zu wissen wie man das macht.

Vermutlich tragen wir alle irgendwo in uns versteckt diesen Wunsch nach Urvertrauen, Schutz und Zugehörigkeit.

Vermutlich tragen wir alle irgendwo in uns versteckt diesen Wunsch nach Urvertrauen, Schutz und Zugehörigkeit. Ich denke mal es liegt daran, dass wir aus irgend einer Quelle kommen und da auch wieder hin gehen. Wäre ja blöd wenn man in der Zwischenzeit so gar nichts miteinander zu tun hätte.
Jedenfalls wollte ich das ändern und hatte keinen blassen Schimmer was ich tun könnte. Mangels fehlender Ideen hatte ich es mir einfach gemacht: Ich bat oben einfach darum mich wieder anzudocken. Ich wartete eine ganze Zeit lang und dann plötzlich war es passiert: Ich war auf einem Gospel-Konzert in Rosbach.

Die liebe Anke singt nun schon seit über 10 Jahren in dem Projektchor „Rosbach goes Gospel“ mit und hatte eingeladen. Initiiert wird dieses Event jedes Jahr von dem dortigen Pfarrer Gerrit Boomgaarden, der es in läppischen fünf Wochen schafft, 130 ganz normale Menschen ertönen zu lassen wie einen professionellen Kirchenchor. Ach was, viel schöner!

Jedes einzelne Lied berührte mich so tief, dass ich permanent mit den Tränen zu kämpfen hatte. Der da oben wußte ganz offensichtlich, dass ich über Musik leicht zu kriegen bin.

Jedes einzelne Lied berührte mich so tief, dass ich permanent mit den Tränen zu kämpfen hatte. Der da oben wußte ganz offensichtlich, dass ich über Musik leicht zu kriegen bin. Und so kam es mir vor, als würde er alles was er mir schon immer mal sagen wollte, durch diese 130 Menschen direkt in mein Herz singen. Das hat mich sehr berührt. Ich fühlte mich an beiden Abenden (ja, ich war gleich zwei mal dort) so aufgehoben wie schon lange nicht mehr und bin sehr dankbar dort gewesen zu sein.

Die Vermutung liegt nahe, dass ich ein Jahr später wieder dort war. Ja, ich war dort, aber diesmal habe ich mit gesungen. Ganz ehrlich: Ich hätte es nie geglaubt aber das war noch viel viel schöner. Dort vorne zu stehen und zu sehen wie man mit Musik die Menschen berühren kann, war einfach sensationell. Als ich mit den ersten Proben begann, kannte ich außer Anke niemanden. Als das Konzert zu Ende war, war ich Teil einer Gruppe von ganz lieben Menschen. Alles in allem ein wahnsinns Erlebnis.

Gäbe es mehr von diesen modernen Pfarrern in schwarzen Lederhosen, dann wäre ich ganz sicher nicht aus der Kirche ausgetreten.

Dieses Jahr plagte mich eine Erkältung über Wochen so sehr, dass ich weder an den Proben, noch an dem Konzert teil nehmen konnte. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei und freue mich schon riesig darauf. Jeder der auch nur ein klein wenig Spaß an Gospel hat, sollte zumindest zu den Konzerten am 03. und 04. März 2018 kommen. Ich kann nur empfehlen sehr früh zu erscheinen, denn die Kirche ist an beiden Tagen voll bis unter die Decke.

Wer Freude am Singen hat, für den beginnen die Proben im nächsten Jahr mit einem Probenwochenende vom 26. – 28. Januar 2018. Anmeldungen nimmt die Ev. Stadtkirchengemeinde Rosbach v.d.Höhe per eMail über gemeinde@rosbach-lebt.de entgegen. Der Teilnahmebeitrag beträgt 25,- €.

Ich kann nur sagen: Gäbe es mehr von diesen modernen Pfarrern in schwarzen Lederhosen, dann wäre ich ganz sicher nicht aus der Kirche ausgetreten.

Und hier, hier kommt endlich das Lied das mir den heutigen Titel spendiert hat: Er hat seinen Engeln befohlen aus Rosbach goes Gospel. Schlechte Bildqualität aber superschönes Lied.

 

 

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