Mindset

Ein Zuhause das nicht mein Zuhause ist

Es ist Donnerstag-Morgen und das Oster-Wochenende steht vor der Tür. Mir graut es, denn vier Tage nicht zu arbeiten bedeutet auch vier Tage Zuhause zu sein. In einem Zuhause das nicht mein Zuhause ist.

Zuhause ist so eine Sache bei mir. Als Kind war Bellersdorf mein Zuhause. Der Wald, die Dorflinde, der Spielplatz, unser Garten, eigentlich der ganze Ort. Ich habe es geliebt in der Natur zu sein, war aber nie wirklich gerne im Haus. Zuhause gab es, wie in allen anderen Familien auch, oft Streit. So ist das halt in einer Familie, ich nahm reiß aus in die Natur. Dort fand ich Ruhe und Frieden und ließ die andere Welt hinter mir.

Als ich das erste Mal auszog, dachte ich, ich hätte mein Zuhaue bei meinem damaligen Freund gefunden. Es war nicht ganz einfach und so sehr ich ihn auch liebte, ich fühlte mich nicht Zuhause.

Ich genoß diese Zeit und das Gefühl endlich Zuhause zu sein

Ich zog aus in meine erste eigene Wohnung. Es waren nicht mal 50 Quadratmeter aber ich liebte mein Nest im obersten Stock dieses Drei-Familien-Hauses. Wenn ich durch diese Tür ging konnte ich alles hinter mir lassen. Ich fühlte mich so sicher und geborgen wie noch niemals zuvor und ich genoß diese Zeit und das Gefühl endlich Zuhause zu sein. Ja, das tat ich. Eines Tages fand ich heraus, dass mein Nest nicht so sicher war wie ich dachte und daß es nicht mir alleine gehörte. Ich nahm wieder reiß aus, ließ die andere Welt hinter mir und zog mit einer Freundin in eine WG. Und auch dort war ich Zuhause.

Ein paar Jahre später verliebte ich mich in ein kleines Altstadt-Häuschen in Herborn und zog dort ein. Die Wohnung ging über zwei Stockwerke und weil es faktisch ein kleines Haus war, fühlte ich mich als stolze Hausbesitzerin. Es war mit Abstand die schönste und wundervollste Zeit und für mich der Inbegriff von „Zuhause“. Ich kümmerte mich um die Blumen vor der Tür, kehrte den Eingang, hatte liebe Nachbarn und gestaltete mein neues Nest ganz alleine nach meinen Vorstellungen. Ich war rund um zufrieden und glücklich.

Zu diesem Zeitpunkt lernte ich meinen Mann kennen. Verliebte mich Hals über Kopf und zog gerade mal ein Jahr nach dem wir uns kennen gelernt hatten zu ihm. Eine Stunde entfernt von meiner Heimat. Aber nicht für ewig, das war schon geklärt! Ich war seit sieben Jahren Single, lebte alleine und zog nun in ein Haus mit sieben Bewohnern (alles Familie) an einer viel befahrenen Hauptstraße in einen Ort der mir nicht gefiel.

Nun bin ich seit sieben Jahren hier. Nicht weil ich es wollte, sondern weil mir das Leben dazwischen gekommen ist. Weil wir bewußt andere Prioritäten gesetzt haben und weil es gerade auch gar nicht anders geht. Und ich hadere. Hadere mit meinem Schicksal noch immer hier zu sein. Immer wieder. Vor allem wenn ich mehr als zwei Tage am Stück gezwungen bin an diesem Ort zu verbringen. Dann ist es besonders schlimm.

Ich bin so schlecht im Annehmen, das kann sich kein Mensch vorstellen

Und nun war Ostern, die Zeit der Auferstehung und des Loslassens. Ich mußte mich erst mal hin legen – Magen-Darm – und hatte viel Zeit nachzudenken. Zum Beispiel über das Loslassen oder besser das Annehmen. Ich bin so schlecht im Annehmen, das kann sich kein Mensch vorstellen. Immer glaube ich es besser zu wissen. Möchte meinen Weg gehen, durchsetzen was ich will und immer wieder kriege ich vom Leben gezeigt, dass ich es nur zum Teil beeinflussen kann. So wie meine momentane Wohnsituation zum Beispiel.

Eine Möglichkeit das Beste aus der Situation zu machen wäre, sie anzunehmen wie sie ist. Ich muß es ja nicht toll finden aber die Annahme würde mich wenigstens davor schützen, dass es mich täglich wahnsinnig macht. Ich habe lange nachgedacht. Ich hatte viel Zeit. Ich werde mein jetziges Zuhause annehmen. Für mich, für meinen Mann aber vor allem auch für unseren Sohn.

Bei diesen beiden Menschen hat mein Herz ein Zuhause gefunden

Bei diesen beiden Menschen hat mein Herz ein Zuhause gefunden und ich bin es Ihnen schuldig. Denn es ist ihr Zuhause und sie lieben es von ganzem Herzen. Finn findet hier Frieden, Geborgenheit und Schutz – auch wenn wir als Eltern mal streiten und ich möchte ihm nicht das Gefühl geben, daß daran etwas falsch ist.

Ich glaube wenn ich es schaffe meine Situation wirklich anzunehmen und dankbar zu sein für das was gerade ist, jetzt und hier, dann wird es sich sehr schnell von alleine verändern. Denn dann lebe ich nicht mehr im Mangel mit dem Blick auf das was ich nicht will, sondern bin in der Fülle. Und die Fülle ist ein verdammt guter Ort um Neues zu manifestieren. Das ist eine völlig andere Energie. Da ist dann nämlich wieder Raum um auf das zu schauen was man wirklich möchte. Wie zum Beispiel ein eigenes Zuhause nur für uns drei, an einem ruhigen Ort in einer bezaubernden Landschaft. Eben ein echtes Zuhause für uns alle.

Wie war das? Lass los und vertraue dann werden träume wahr. Es hat doch schon einmal geklappt, dann funktioniert es sicher auch dieses Mal wieder.

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