Mindset

Hallo Konsequenz. Wie schön Dich kennen zu lernen.

Letztes Wochenende habe ich es endlich getan. Ich bin zwei Etappen des Moselsteigs ganz alleine gelaufen. Ohne Anja.
Ich hatte in meinem letzen Beitrag ja schon geschrieben, dass das Thema Konsequenz gerade ganz oben steht und offensichtlich nach Erlösung schreit.

Bisher war ich in meinem Leben nur bereit 80% zu geben. Und zwar die 80% die leicht gehen und Spaß machen. Die letzten 20% hab ich einfach unter den Tisch fallen lassen. Da fehlte mir bisher die Disziplin und auch das Durchhaltevermögen um überhaupt die 100 zu erreichen. Jetzt habe ich es mir bewiesen: Ich kann wenn ich will! Und ganz ehrlich: Kaum eine Wandertour passte so hervorragend zum Thema und war so lehrreich wie diese.

Die erste Etappe stand ganz im Zeichen von Gottvertrauen

Die erste Etappe ging von Nittel nach Wasserliesch. Ich hatte dort ein bezauberndes Gästehaus gefunden auf das ich mich schon sehr freute. Weil ich wußte, dass ich zum Trödeln neige gab ich gleich auf der Hinfahrt schon richtig Gas. Ich hatte mir einen Zeitplan in den Kopf gesetzt den es einzuhalten galt. Schließlich war ich diesmal ganz alleine dafür verantwortlich.

Die erste Etappe stand ganz im Zeichen von Gottvertrauen (das mir ja so völlig fehlt). Ich startete locker und bei bestem Wetter. Die Steigungen waren kernig aber die Herausforderungen hielten sich in Grenzen. An einer Stelle war nicht ganz klar wo der Weg weiter gehen sollte aber da halfen mir zwei Männer die ebenfalls auf der Suche waren. Ankunft im Gästehaus wie geplant. Soweit alles prima. Ich war umgeben mit unglaublich lieben und hilfsbereiten Menschen und endlich mal zufrieden mit mir und meiner Leistung. Der Tag endete für mich um 21.00 Uhr mit einem zufriedenen Grinsen auf meinem Gesicht.

Ich ging vergnügt los und hatte anfangs durchweg positive Gedanken

Am zweiten Tag lief ich deutlich angespannter los. Ich mußte die letzte Etappe noch beenden und bis nach Konz weiter laufen, was zusätzliche Kilometer und Zeit bedeutete. Bisher hatte ich mich ziemlich am Riemen gerissen, was Fotografieren und Pausen angingen, und ich war gut voran gekommen. Das Höhenprofil dieser Tour lies mich wissen, dass es die erste Hälfte nur hoch ging und danach nur noch runter. Genau mein Profil. Nicht. Aber ich ging vergnügt los und hatte anfangs durchweg positive Gedanken. Mir kam in den Kopf, dass ich mich auf mich verlassen kann und dass ich endlich mal was durchziehe. Der gestrige Tag hatte mir gezeigt, dass ich Hilfe bekomme wenn ich sie brauche aber ansonsten auch gut alleine klar komme. Ich schaute emsig ob ich noch auf dem rechten Weg war und setzte mir Zwischenziele die ich für mich feierte. Ach Gott, war das Leben schön!

Der Weg führte durch lange waldreiche Abschnitte die sich alle irgendwie ähnelten. Eintönige Strecken die mich für gewöhnlich fürchterlich nerven. Aber ich entschied mich positiv zu bleiben und war dankbar, dass ich dieses Wochenende für mich hatte. Der Moselsteig führte ein gutes Stück an einer viel befahrenen Autobahn entlang. Es war laut und stank und meine Stimmung ging in den Keller. Ich wurde nörgelig und entschied, dass die gesamte Tour nicht gerade von Schönheit gekrönt war. Mir fehlten die zauberhaften Landschaften und der einmalige Ausblick. Ich wartete auf die Mega-Natur-Erlebnisse und nichts geschah. Statt dessen zwang die Eintönigkeit mich, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Ich hatte einfach nichts im Außen mit dem ich mich ablenken konnte. Ich wurde nachlässiger und so kam es immer wieder vor, dass ich nicht nach den Wegweisern schaute. So richtig viel Lust das Ding durchzuziehen hatte ich gerade im Moment nicht mehr.

Stop complaining and go for it!

Plötzlich viel mir ein Spruch wieder ein: „Stop complaining and go for it!“ Hör auf Dich zu beschweren und zieh das Ding durch! Du hast Dich für den Weg entschieden und dann geh ihn auch bis zum Ende. Und bitte mit all seinen Herausforderungen, Höhen und Tiefen, denn die gehören dazu. Ich wurde ganz kleinlaut. Vielleicht kommt es auch nicht darauf an immer die Hammer-Erlebnisse im Außen zu haben, sondern einfach mal das Gehen an sich zu genießen. Einschließlich all der Gedanken und Empfindungen die einen so überrollen wenn es eben gerade mal echt eintönig ist.

Ich lief also weiter und kam zum Kaffee-Mohrenkopf, wo halb Trier die Frühlingssonne genoß, und verpaßte glatt den Abzweig. Schon wieder war ich auf der Suche nach dem Weg und eine weitere Erkenntnis reicher: Wenn ich zu abgelenkt bin, dann komme ich von meinem Weg ab. Es ist wohl die gute Mischung von Anspannung und Entspannung oder Langeweile und Stress die mich auf meinem Weg hält.

Völlig unbelastet flog ich auf mein Ziel zu

Ich hatte den Weg mittlerweile wieder gefunden und freute mich, dass es nur noch fünf Kilometer bis zum Ziel in Trier waren. Es war das erste Wander-Wochenende an dem ich ohne Last los lief. Bisher hatten Anja und ich immer alles in unseren Rucksäcken, was bedeutete, dass ich inklusive Kamera jedes Mal 26 Kilo mit mir rum schleppte. Zwei Tage lang. Ganz ehrlich: Wer braucht das schon? Und bewiesen dass ich es kann, hatte ich es mir nun auch schon lange genug. Diesmal waren die Klamotten im Hotel und ich hatte lediglich Kamera und Verpflegung dabei. Ich war echt leichtfüßig unterwegs uns beschloß das in Zukunft nun immer so zu handhaben.

Ich flog quasi auf mein Ziel zu aber die letzten Kilometer zogen sich wie Gummi. Ich war mal wieder mitten im Wald, weit weg von jeglicher Zivilisation, und wurde ungeduldig. Vielleicht hatte ich mich ja verlaufen? Wie lange würde ich jetzt wohl noch brauchen? Ganz offensichtlich bereitete es mir enorme Probleme, wenn ich mein Ziel nicht vor Augen, sondern nur im Kopf hatte. Ich mußte schlichtweg darauf vertrauen, dass ich es bald erreichte, weil ich einfach nicht einschätzen konnte wie lange ich noch lief. Das ging irgendwie gar nicht.

Do what´s right and not what´s easy

Ich mußte an Laura Seiler denken, deren Podcast ich so liebe. Sie meinte neulich: „Do what´s right and not what´s easy.“ Ich sollte die letzten Kilometer noch viel öfter an sie denken, denn kurz vor dem Ziel ging es noch mal richtig bergauf. Unzählige Treppenstufen führten auf eine viel befahrene Brücke mitten in Trier, mit Lärm und Autogestank. Mein Knie machte mir zu schaffen, ich kochte. Dann der nächste Wegweiser: Weitere 2,5 Kilometer bis zum Bahnhof! Bitte? Die Tour war geschafft aber ich mußte noch mal 2,5 Kilometer laufen? Im Ernst jetzt? Okay, do what´s right and not what´s easy. Also los, quer durch die Stadt in der es so gut wie keine Moselsteig-Zuweg-Aufkleber mehr gab. Ich bemühte Google-Maps. Die Deutsche Bahn verkündete mir per App, dass der nächste Zug in 35 Minuten fahren sollte. Danach müßte ich eine Stunde warten. Do what´s right and not what´s easy! Ich rannte los, quer durch Trier, an der Porta Nigra vorbei *knips*, verlor auf den letzten Metern vor lauter Hektik total die Nerven und – kam pünktlich an.

Ich hatte meine letzten 20% durchgezogen. Ganz alleine. Vermutlich geht das auch eleganter aber ich übe ja noch.
Ich weiß jetzt, dass uns das Leben immer wieder abfragt, auch kurz vor dem Ziel: Willst Du das wirklich? Bist Du Dir sicher? Und wenn Du es dann trotz aller Schwierigkeiten durchziehst, ist der Gewinn gleich doppelt so hoch. Dann hast Du es Dir verdient. Du hast dafür gekämpft und es hat einen Wert. Weil Du alles gegeben hast. Und dann bist Du verdammt stolz auf Dich weil Du für die Zukunft weißt: Ich kann mich auf mich verlassen. Und alle Anderen auch.

 

 

 

 

You Might Also Like...

No Comments

    Leave a Reply

    %d Bloggern gefällt das: