Mindset

„It´s all about emotions“ – mein bisher persönlichster Blogpost

Ich glaube, dass wir alle so eine Art „Überschrift“ für unser Leben haben. Ein Kernthema. Etwas das uns das ganze Leben lang begleitet und uns zum Wachstum zwingt. Ich muß gestehend, dass diese Einsicht für mich noch relativ neu ist. Und obwohl ich nun schon seit einigen Jahren viel Zeit und Geld in persönliche Weiterentwicklung gesteckt habe, ist der Groschen bei mir erst vor kurzem gefallen. Mit stolzen 43 Jahren. In meinem Leben zum Beispiel dreht sich alles um Emotionen. Yes. It´s all about emotions!

Wenn Du in Deinem Leben wirklich so richtig nen Spiegel brauchst, dann bekomm Kinder. Oder zumindest eines.

Das was jetzt kommt kann ich auch nur mit Gewissheit sagen, weil ich eben schon so lange an mir gearbeitet habe. Ich hab meine Kindheit aufgerollt, Traumas neu durchlebt, innere Kinder geheilt, bin in alte Leben gereist, habe meine Eltern konfrontiert, Beziehungen auseinander genommen, Arbeitsverhältnisse analysiert, meine Ehe fast zerstört, sie wieder neu aufgebaut und nun sorgt Finn aktuell dafür, dass ich auch wirklich an allem dran bleibe und auch den letzen Rest aus den Ecken kehre. Junge…..wenn Du in Deinem Leben wirklich so richtig nen Spiegel brauchst, dann bekomm Kinder. Oder zumindest eines.

Ich sage nicht, dass das der Königsweg ist. Es ist mein Weg. Etwas steinig aber für mich hat er funktioniert. Und wenn ich zurück blicke wo ich her komme, wo ich war und wo ich jetzt bin, dann gibt es ein Thema, dass sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht: Emotionen.

Alles war ganz fürchterlich oder unfassbar toll. Dramen an einer Tour.

Als ich auf die Welt kam hatte ich welche – so viel steht mal fest. Alle Babys haben welche. Irgendwann in meiner Kindheit habe ich sie dann verloren oder sagen wir besser vergraben. Das ging so weit, dass ich tatsächlich vergaß, dass ich überhaupt Emotionen hatte. Jetzt höre ich sie schon schreien, alle die, die mich schon sehr lange kennen.

Denn wer mich kennt der weiß, dass ich extrem emotional sein konnte. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. In großen Sinuskurven bewegte ich mich so durch mein Leben. Von einem Hoch zum Tief und wieder zurück. Wenn ich mich freute, dann euphorisch und wenn ich unglücklich verliebt war, dann litt ich wie ein Hund. Wenn mich was nervte, dann war ich nicht auszuhalten und all diese Emotionen zog ich in eine unendliche Länge. Alles war ganz fürchterlich oder unfassbar toll. Dramen an einer Tour.

Jeden. Gott. Verdammten. Tag. Jeden Morgen und jeden Abend. Jammern!

Ich erinnere mich zum Beispiel noch lebhaft, wie meine Mitfahrer ein ganzes Jahr mein Gejammer anhören mußten, weil wir auf der Strecke von Herborn nach Bad Homburg morgens und Abends (natürlich) permanent im Stau standen. Jeden. Gott. Verdammten. Tag. Jeden Morgen und jeden Abend. Jammern! Und ich entschuldige mich heute aus tiefstem Herzen dafür. Sorry Isa und Jens.
Meine Mitbewohnerin mußte sich pausenlos meine Dramen antun, weil irgend welche Männer unfassbarerweise nicht an mir interessiert waren. Warum wohl? Oder wenn eine Party mal nicht so lief wie ich mir das in meinem Hirn ausgemalt hatte – Gott behüte! Bei diesen Ausfällen blieb es leider nicht, es waren viele mehr und ich möchte mich auch bei Dir, Uta, von Herzen entschuldigen.

Das war die dunkle Seite. Kommen wir nun zur hellen. Die Strahlefrau, die durch ihre extrem positive Art auch Menschen für sich begeistern konnte. Die für gute Stimmung sorgte, die immer alles irgendwie möglich machte und echt gut ankam. Weil sie so nett war und so positiv und, natürlich, immer so strahlte. Von daher verstehe ich vollkommen das Entsetzen derer die mich schon sehr lange kennen. Keine Frage.

Es ist ein klassischer Missbrauch.

Heute weiß ich warum ich so war. Ich habe mich nicht gespürt. Und so wie Menschen anfangen sich mit Rasierklingen zu verletzen oder permanent Fallschirmsprünge absolvieren um einen Kick zu kriegen und sich zu fühlen, so habe ich mir Emotionen geholt oder eben auch produziert.

Emotionen kann man sich ganz fantastisch bei anderen Menschen klauen in dem man sich „an sie hängt“. Am besten hängt man sich an die, denen es so richtig gut geht. Oder an die, die ganz am Ende sind. Oder eben an kleine Kinder. Die spüren übrigens Deinen Mangel und überschütten Dich dann geradezu mit guter Laune. Das Ding ist einfach, dass Du Dich dann zwar spürst aber gleichzeitig den Menschen um Dich herum die Energie raubst. Es ist ein klassischer Missbrauch.
Emotionen produzieren geht auch, endet dann aber in diesem Himmel hoch jauchzend zu Tode betrübt. Ganz einfach weil Du es sonst nicht fühlst.

Alles nur Fake. Nicht eine echte Emotion.

So war das eine sehr lange Zeit in meinem Leben, bis es mir plötzlich bewußt wurde. Alles nur Fake. Nicht eine echte Emotion. Und ich hatte keinen Schimmer wie sich echte Emotionen anfühlen. Ich hörte also auf. Ich hörte auf andere auszusaugen oder Dramen zu erzeugen und war plötzlich ganz leer. Ich spürte mich nicht mehr, hatte keine Emotion und verlor mich ganz. Es machte mich wahnsinnig. Dann fing ich an in mich rein zu spüren. Ich wußte, dass sie irgendwo in mir vergraben waren, war mir aber nicht sicher ob ich sie erkenne. Nach einer langen Zeit durfte ich dann lernen, dass echte Emotionen ganz leise sind. Und tief. Nicht laut und polternd, sondern zart und echt.

Wenn man diesen Weg gegangen ist, dann ist man unfassbar empfänglich und sensibel für jede Art von Emotionen und Stimmungen. Früher hat dieses Gespür mein Überleben gesichert. Diese feinen Antennen haben dafür gesorgt, dass ich mir irgendwo Gefühle holen konnte und mich spürte. Seit dem ich denken kann, fange ich jede Energie auf die mir über den Weg läuft. Egal ob ich einen Raum betrete, mich in einer Ansammlung von Menschen befinde oder ein 4-Augen-Gespräch führe, ich weiß was der Andere fühlt. Ich kann es fühlen.

Und es schenkt mir unfassbar schöne Momente hinter der Kamera. Mit vielen echten Emotionen und ganz viel Herzenswärme.

So sensibel zu sein ist eine echte Last wenn man sich nicht abgrenzen kann. Mittlerweile gelingt mir aber auch das sehr gut und ich kann meine bisherigen Erfahrungen als echtes Geschenk sehen. Denn das ist auch der Grund, wieso es mir so leicht fällt, echte Emotionen in einem Foto fest zu halten. Dieses Gespür für einen bestimmten Moment, für die Grundstimmung eines Menschen, für all die zwischenmenschlichen Gefühle auf einem Paarshooting oder während einer Hochzeit, das lässt mich nie im Stich. Und es schenkt mir unfassbar schöne Momente hinter der Kamera. Mit vielen echten Emotionen und ganz viel Herzenswärme. Und dafür bin ich heute von Herzen dankbar.

It´s all about emotions – wir könnten uns sonst nicht spüren.

 

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