Mindset

Ohne Konsequenz und Disziplin kein Erfolg! Ganz einfach.

„Bring doch endlich mal was zu Ende!“, die verzweifelte Stimme meines Vaters klingt mir noch heute im Ohr.
Ich hatte mich gerade mit einer kompletten Volleyball-Ausrüstung ausgestattet, während die Tennis – und die Reitsachen, die Melodica (na, wer weiß noch was das ist?) und meine komplette Turn-Ausrüstung im Schrank verstaubten. Im Laufe der Jahre sollten noch viele weitere Ausrüstungen dazu kommen und auch alle verstauben.

Heute ist es mein Mann der die Augen rollt

Was um alles in der Welt meinte er damit? Zu Ende! Soll ich es bis nach Wimbledon schaffen oder wo ist bitte das Ende? Ich fand das ziemlich albern und spießig und probierte mich viel lieber aus. Spätestens bei Veranstaltungen wie Vereinsmeisterschaften oder Wettkämpfen verlor ich den Spaß an der ganzen Sache. Ich wollte spielerisch die Welt entdecken und nicht aus allem Ernst machen!

Heute holt mich der Satz immer wieder ein und diesmal ist es mein Mann der mit den Augen rollt, wenn ich mal wieder eine neue tolle Geschäftsidee habe und zum hundertsten Mal meine Homepage komplett überarbeite um in völlig neue Sphären einzutauchen. Ja, ich gehe auch heute noch spielerisch an alles dran und ziehe nichts durch. Grundsätzlich kann man das ja machen aber wenn man selbständig ist und der Erfolg aus bleibt, weil man einfach nicht bereit ist Ernst zu machen, dann, ja spätestens dann sollte man dieses Lebenskonzept mal überdenken.

Und so enttäusche ich mich selbst und andere. Immer wieder. Seit ich denken kann

An diesem Punkt bin ich jetzt. Es frustriert mich, dass ich mich einfach nicht auf mich selbst verlassen kann und Konsequenz in meinem Wortschatz keinen Platz hat. Es regt mich auf, dass ich mit den Dingen die mir Freude machen keinen Erfolg habe, weil ich nicht bereit bin, die letzten 20% einfach durch zu ziehen. Alles was leicht geht ist gut, den Rest mach ich einfach nicht. Und so enttäusche ich mich selbst und andere. Immer wieder. Seit ich denken kann.

Ganz anders sieht die Sache aus, wenn ich jemandem folgen muß. Als Angestellte zum Beispiel. Da zieh ich mein Ding durch. Zwar mit Murren und Knurren aber ich tu´s. Oder beim Wandern. Anja und ich gehen zur Zeit den Moselsteig und ich kann voller Stolz verkünden, dass wir sowohl den Rheinsteig als auch den Rothaarsteig mit Westerwald-Variante bereits komplett gelaufen sind. Das macht mich stolz! Das hab ich durchgezogen weil Anja mit geht. Ja, weil Anja mit geht.

Aber weil sie läuft und weder mit sich noch mit mir diskutiert, laufe ich mit

Anja ist Ärztin und gehört nicht zu den Menschen die lamentieren oder irgendwo in der Pampa ein Taxi rufen weil sie keine Lust mehr hat zu laufen. Anja liebt Steigungen und wenn sie richtig steil sind, dann kann ich den Glanz in ihren Augen sehen. Sie setzt dann noch einen drauf und erhöht die Geschwindigkeit, während ich langsam hinter ihr her schlunze und mich dabei erwische, wie ich mich von jeder Blume und all den grandiosen Landschaften ablenken lasse. Ohne Anja wäre ich bei jeder Tour zwei Stunden später am Ziel. Aber weil sie läuft und weder mit sich noch mit mir diskutiert, laufe ich mit. Sie zieht mich und bringt mich an meine Grenzen. Und ich habe mit ihr schon einige Grenzen überschritten!

Das ist es, was mir vor kurzem schmerzlich bewußt wurde. All die Dinge, die ich bisher durchgezogen habe, habe ich durchgezogen weil mich jemand mitgenommen oder gepusht hat. Mein Job als Angestellte, das Wandern, selbst die Geburt unseres Sohnes. Ohne meinen Mann und die Hebamme wäre ich nach 20 Stunden lieber gestorben als mich noch weiter zu bemühen. Die letzten 20% hätte ich ohne sie nicht geschafft. Niemals. Und das kann es nicht sein.

Mein Plan, wie ich Vertrauen in mich gewinnen kann, steht schon

Ich will das ändern und ich werde das ändern. Ich möchte, dass man sich auf mich verlassen kann und ich möchte stolz auf mich sein. Und unabhängig. Weil ich weiß, dass ich es auch alleine schaffe. Weil ich mir vertraue. Und nicht zuletzt, weil es ohne Beständigkeit keinen Erfolg gibt. Auf keiner Ebene.

Mein Plan, wie ich Vertrauen in mich gewinnen kann, steht schon. Anja hat spontan die nächste zweitägige Tour absagen müssen und ich werde sie trotzdem gehen. Alleine. Die ganzen 45 Kilometer und ich werde mich nicht enttäuschen – hoffe ich.

 

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2 Comments

  • Reply
    Franzi
    4. Mai 2017 at 20:30

    Harte Worte und eine mutige Entscheidung! Ich wünsche dir Durchhaltevermögen und viel Kraft…und Glaube an dich selbst!

    • Reply
      Nicole
      5. Mai 2017 at 5:54

      Ich danke Dir von Herzen Franzi.

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