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Über die Ehe und warum sie ganz oft der blanke Horror ist

Als ich meinen Mann kennen lernte, da war mir sehr schnell klar, dass dieser Mensch etwas ganz Besonderes ist. Gleich beim zweiten Treffen warf ich ihm um die Ohren, dass ich niemals heiraten und auch keine Kinder haben möchte. Und obwohl er sich zwei Kinder wünschte und heiraten für ihn durchaus denkbar war, trafen wir uns weiter.

Es gab da etwas zwischen uns, das die ganze Sache ziemlich beschleunigte. Wir zogen recht schnell zusammen und es dauerte nicht sehr lange, da wünschte ich mir, dass er sie mir stellen würde, die Fragen aller Fragen. Mit ihm verschoben sich meine Denkgrenzen und vieles was vorher für mich undenkbar war, schien mir mit ihm plötzlich möglich. Er hatte mich nie gedrängt oder heiraten und Kinder permanent zum Thema gemacht, es hatte sich einfach entwickelt.

All das war drei Jahre vorher noch völlig undenkbar aber mit diesem Mann an meiner Seite veränderte sich alles

Irgendwann fragte er mich und ich war der glücklichste Mensch der Welt. Wir heirateten ein Jahr nach dem Antrag und am Abend vor unserer Hochzeit, entschieden wir gemeinsam, dass wir einer kleinen Seele in unserem Leben einen Platz geben möchten. Ein Jahr später war sie da, die kleine Seele, denn Finn wurde geboren. All das war drei Jahre vorher noch völlig undenkbar aber mit diesem Mann an meiner Seite veränderte sich alles.

Mein Bild von einer Ehe, mit einem so besonderen Menschen, war sehr romantisch. Und obwohl meine Eltern geschieden sind, glaubte ich das, was uns in Filmen so gerne verkauft wird. Ich freute mich auf eine endlose Romanze mit kleinen, nichtigen Streitereien. Für mich war klar: Wenn man seinen Seelengefährten gefunden hat dann kann das nur so sein. Ja, ich sah unsere Zukunft durchweg rosig. Wenn man einen Menschen so sehr liebt und so sehr geliebt wird, dann ist alles Andere undenkbar. Das war 2012.

Zurück zur Realität. Es ist 2017 und ich habe heute einen völlig anderen Blick auf die Ehe und den Mann an meiner Seite

Zurück zur Realität. Es ist 2017 und ich habe heute einen völlig anderen Blick auf die Ehe und den Mann an meiner Seite. Denn gefühlt haben wir uns schon nach ganz kurzer Zeit mehr gestritten als uns geliebt. Gefühlt hatte ich seit dieser Ehe mehr Probleme als ich sie jemals hatte. Gefühlt war diese Ehe ganz oft der blanke Horror. Für uns alle. Und Fakt ist, wir standen mehr als einmal vor dem Punkt alles hin zu schmeißen und uns zu trennen. Das ist die Realität. Das ist unsere Ehe. Aber wir taten es nicht.

Es gab da immer etwas zwischen uns, dass anders war. Besonders. Ein Gefühl an das wir uns immer zurück erinnerten, wenn der Punkt der Trennung da war. Das mich dazu brachte meinen Mann anzuflehen, es nicht zu beenden. Das ihn dazu brachte weiter zu machen, obwohl es eigentlich undenkbar und völlig sinnlos erschien. Selbst als ich plötzlich nicht mehr die Frau war, die er eigentlich geheiratet hatte. Da blieb er. Er blieb auch in Situationen die nicht zumutbar war. Er blieb in Momenten wo andere Männer einfach gegangen wären. Da blieb er an meiner Seite. Und wenn er mir heute sagt: „Weißt Du eigentlich wie sehr ich Dich liebe?“ Dann bin ich meist fassungslos und frage ihn ernsthaft: „Warum?“ Wie kannst Du mich nach all dem was wir durch haben noch immer so lieben?“ Und dann sagt er: „Wir haben uns damals ein Versprechen geben. Dass wir uns lieben werden. In guten wie in schlechten Zeiten. Und das tue ich.“

Zum Anderen ist das was uns verbindet nicht nur Liebe sondern auch so was wie eine, ich nenne es mal, karmische Verbindung

Warum ist das so? Zum Einen ist Micha ein Mensch, der unglaublich viel einstecken kann. Der langmütig ist, der sich zu oft hinten an stellt. Er ist der loyalste Mensch den ich kenne und er hat das größte Herz überhaupt. Und wenn er etwas verspricht, dann hält er es. Zum Anderen ist das was uns verbindet nicht nur Liebe sondern auch so was wie eine, ich nenne es mal, karmische Verbindung. Ich glaube wir sind zwei Seelen die sich schon sehr lange kennen und die viele Leben miteinander verbracht haben. Und auch wenn es sich komisch anhört, so denke ich, dass wir zwei dort oben im Himmel einen Deal hatten bevor wir hier runter kamen. Ich glaube wir haben uns füreinander zur Verfügung gestellt. Wir haben vereinbart, dass wir uns uns gegenseitig dienen. Er mir bei meiner Aufgabe die ich mir ausgesucht habe und ich ihm bei seiner.

Dummerweise vergessen wir unsere Aufgaben sobald wir geboren werden und deswegen sieht es ganz oft so aus, als würden wir uns gegenseitig schaden und nicht helfen. Aber manchmal werden uns Dinge bewußt und wir bekommen eine Idee von etwas Größerem, von alten Verstrickungen die gelöst und neuen Aufgaben die erledigt werden müssen. Und dann wird uns klar, wie sehr wir uns gegenseitig dienen. Und wie unendlich dankbar wir sein können, dass wir uns haben und wie sehr wir mit- und aneinander wachsen können. Auch wenn es manchmal nicht danach aussieht.

Die Ehe ist weit entfernt von Friede, Freude, Sonnenschein rund um die Uhr

Die Ehe ist ein Versprechen, dass wir immer füreinander da sind. In guten wie in schlechten Zeiten. Das wir aneinander wachsen und uns gegenseitig dienen. Die Ehe ist weit entfernt von Friede, Freude, Sonnenschein rund um die Uhr und sie ist auch kein Garant für grenzenlose Freude. Die Ehe ist ein geschützter Raum mit einem Menschen dem man bedingungslos vertraut und für den man alles tun würde. In dem man sich entfalten und weiter entwickeln kann – wenn man das möchte und die Herausforderung annimmt sich einzulassen. Dem hin zu geben.

Das ist es, was die Ehe heute für mich ist. Ein warmes Nest im Herzen meines Mannes, in dem wir beide den Raum haben uns zu entwickeln und aneinander zu reiben. In dem wir unglaublich schöne Momente teilen und unsere Liebe vertiefen. Denn das ist es was passiert, wenn man sich auf dieses Erlebnis einlässt. Die Liebe wird tiefer und reiner. Sie wird schöner und ehrlicher.

Ich danke Dir von Herzen, mein Schatz, dass Du geblieben bist.

Ich danke Dir von Herzen, mein Schatz, dass Du geblieben bist. In all den Momenten in denen Du lieber gegangen wärst. In Situationen die Dich verletzt und müde gemacht haben. Von Herzen DANKE für Deine bedingungslose Liebe und Deinen Glauben an mich und uns.

Ich liebe Dich.

 

Foto: Alea Horst

 

 

 

 

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