Mindset

Verloren in der virtuellen Welt

Für gewöhnlich checke ich mein Handy am Tag viele hundert Male. Ich schaue nach Mails, springe von Instagram zu Facebook, überprüfe Nachrichten, den Massanger und WhatsApp. Eigentlich trage ich es immer bei mir. Es ist fast wie ein Körperteil das ich nur dann spüre wenn es vibriert. Mein Handy ist nicht nur nützlich und eine willkommene Ablenkung, es ist eigentlich schon zu einer ausgewachsenen Sucht geworden. Ich bin abhängig davon. Immer wenn mir die reale Welt aus irgend einem Grund zu viel wird, dann flüchte ich in die virtuelle Welt. Ist ja auch schön einfach. Man taucht ein in das Leben der Anderen und kann seine eigenen Probleme kurz vergessen.

Gerade wenn es um die Fotografie geht oder um die Erfolge der Anderen, dann lasse ich mich durchaus gerne inspirieren. Das Problem ist einfach, dass man sich dabei sehr schnell verlieren kann. Plötzlich versucht man den Stil von X zu adaptiert, würde am liebsten auch die Klamotten von Y tragen und in der persönlichen Weiterentwicklung schon da sein wo Z ist. Bleibt die Frage: Wer bin ich wenn ich nur das tue was andere tun?

Der Punkt warum ich darüber schreibe ist folgender: Vor kurzem sind wir nach Österreich gefahren. Ich liebe die Berge und wir waren die letzten Urlaube, Finn-bedingt, nur am Meer. Meine Freude über die ersten hohen Berge war so groß, dass ich das Handy zur Seite legte und einfach nur die Aussicht genoss. Wie unfassbar schön die Erde doch ist – wenn man mal hin schaut. Gleich auf dem ersten Rastplatz vergaß ich das Handy im Auto, als wir dann auf den Hof des Proneben Gut´s fuhren war alles vorbei. Ich nutzte es für Schnappschüsse und zum Filmen, die restliche Zeit verlegte ich es so gekonnt, dass ich permanent danach suchen mußte. Zuhause undenkbar!

Ich durfte fest stellen, dass die Welt sich tatsächlich weiter dreht, auch wenn ich nicht jeder Insta-Story folge

Der Tag auf Proneben begann mit dem Blick auf die Berge anstatt auf´s Handy. Nach unserem gemeinsamen Frühstück ging Finn für eine Stunde alle Tiere füttern. Für uns bedeutete das, mit einem Kaffee im Hof zu sitzen und die unfassbar schöne Landschaft zu bewundern. Wir genossen die Ruhe, atmeten die frische Luft in tiefen Zügen ein, freuten uns über die Sonne oder einen kurzen Schauer auf unserer Haut und liefen barfuß durch´s nasse Gras. Wir waren eins mit der Natur und das reichte uns völlig. Ich sah wie viel Freude Finn beim Füttern hatte, wie friedlich all die Tiere zusammen lebten, wie sehr viel gelassener und freundlicher die Menschen hier waren. Ich realisierte, dass wir gerade das große Glück hatten, für eine Woche in einem kleinen Paradies zu leben – und vergaß das virtuelle Leben komplett. Was für ein Geschenk!

Ich durfte fest stellen, dass die Welt sich tatsächlich weiter dreht, auch wenn ich nicht jeder Insta-Story folge, den kompletten Facebook-Feed durch scrolle oder nicht gleich jede Mail öffne. Im Gegenteil, es ist sogar wunderbar befreiend es einfach mal nicht zu tun und ich habe es nicht eine Sekunde vermißt. Das war mir in all meinen Urlauben noch nie passiert!

Ich bin gerade unendlich dankbar, denn es bringt mich zu dem zurück was mir wirklich wichtig ist.
Deswegen möchte ich mich an folgendes auch nach unserem Urlaub im Alltag immer wieder erinnern:

  • Von Zeit zu Zeit einfach still da sitzen und in mich rein fühlen
  • Wieder bewußter umschauen, mehr riechen, mehr fühlen und mehr schmecken
  • Dankbarer sein, für diese unfassbar schöne Erde auf der wir leben und für all die kleinen Wunder, die sie hervor bringt
  • Weniger rennen und hetzen
  • Mehr lesen und weniger surfen
  • Feste Zeiten bestimmen wann ich Social Media nutze

Ich möchte mich nicht mehr von diesem virtuellen Leben abhängig machen und mir pausenlos anschauen wie andere Menschen ihre Zeit verbringen. Es geht darum wieder Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen und es täglich neu zu gestalten. Mit allen Höhen und Tiefen und mit all dem was ich bin und was ich kann.

 

 

 

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